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Vom Gartenhaus zur eigenen Werft

1952, nach Beendigung der Bootbauerlehre am Zürichsee gründete Rudolf Fürst sen. und sein 4 Jahre älterer Bruder Hermann (genannt Hermi) die Firma „Gebrüder Fürst auf dem Schlossberg“. Vormals wurden Fischergondeln noch im elterlichen Gartenhaus gefertigt.
Zusammen haben die Brüder die ersten Boote gebaut und im gleichen Jahr die Bootsvermietung in Romanshorn, in der sie beide schon als Knaben gearbeitet hatten, übernommen. In dieser An¬fangszeit hatten die Brüder verschiedene sehr gute Arbeiter aus dem Norddeutschen Raum. Schliesslich wurden die ersten Serienboote gebaut. Dabei handelte es sich um Gondeln (Ruderboote) für den Sportfischerverein Kreuzlingen. Aus der Werkstätte der Gebrüder Fürst stammen auch die Fürst Aufbau-Kähne.

Das Familien-Unternehmen verfügte über drei Standbeine: Boot¬bau, Vermietung und Gesellschaftsfahrten mit den Schiffen MS „Aeolus“ und MS „Strandfee“. Die MS „Römerhorn“ wurde von Ruedi Fürst konstruiert und als eidg. konzessioniertes Schiff in der eigenen Werft aus Lerchenholz gebaut.
Da die beiden Jung-Unternehmer noch ledig waren, wurden die be¬den Schwestern sowie Vater und Mutter eingespannt. Die Eltern be¬treuten die Vermietung, die älteste Schwester und ihr Ehemann übernahmen jeweils am Wochenende die Kursfahrten
Romanshorn — Uttwil. Während die jüngste Schwester und Rudolf fürs Büro verantwortlich zeichneten, wurden die restlichen Gesellschaftsfahrten und Werftarbeiten zwischen den Brüdern geteilt.    

Mit der Zeit wuchs bei den Brüdern das Interesse an der Wartung von grösseren Schiffen. Damit stieg natürlich auch der Platzbedarf. Anfänglich wichen sie auf eine SBB-Halle aus, doch diese Situation stellte sich schnell als unbefriedigend heraus, denn das Rangieren mit den grossen Booten gestaltete sich in der Halle als sehr schwierig.
Da sich in Romanshorn keine Möglichkeit bot neues Land für den Ausbau der Werft zu finden, wurde Ruedi Fürst dank seiner Mutter (geborene Uttwilerin) in Uttwil fündig. Das war im Jahre 1956. Zum gleichen Zeitpunkt wollten die Frauen­felder gerade ihre Festhütte abbrechen.    
Kurz entschlossen kaufte Ruedi diese und übernahm zusammen mit seinem Bruder Hermi und einem befreundeten Zimmermann diese Arbeiten und stellte sie dann in Uttwil wieder auf, wo sie fortan als Winterlager diente. Im gleichen Jahr wurde Ruedi bei der Zürcher Bootsausstellung auf den Umbau der Tramanlage nach Schlieren auf­merksam. Da damals in Romanshorn und Umgebung Häuser mit Hilfe von Schienen verscho­ben wurden (z.B. Scharfeck, Romanshorn; Frohsinn, Uttwil) war für Ruedi der mögliche Verwendungszweck von Schienen für eine Slipanlage in Uttwil schnell klar.
1961, nachdem Hermi geheiratet hatte, trennten sich die Wege der Beiden, was die Aufteilung der Firma „Gebrüder Fürst“ in Bootswerft Rudolf Fürst, Romanshorn und Bootswerft Hermi Fürst, Uttwil (heute Fürst AG, Uttwil) nach sich zog.

Während sich Hermann nur noch dem Werftbetrieb widmete, bewirtschaftete Rudolf immer noch die drei Zweige mit seinen Schwestern und Eltern.
Zudem begann er mit dem Aufbau des 4. Standbeins: der Motorbootfahrschule. Schon manch namhafter Fahrlehrer in der heutigen Zeit lernte sein Handwerk bei Ruedi Fürst.    
Nachdem im Februar 64 auch Rudolf Fürst geheiratet hatte (ausgerechnet die Enkelin einer Bootsvermieterin aus Mammern!!) half nun auch Erika im Be¬trieb mit. Vorerst war Erika hauptsächlich für die Vermietung zustän¬dig. Im Dezember 64 kam die erste, im Juli 66 die zweite Tochter und im Januar 68 der Sohn Rudolf jun. zur Welt. Nachdem im Jahre 66 die jüngste Schwester gekündigt hatte, übernahm Erika nebst den drei Kindern und der Vermietung auch noch die ganzen Büroarbeiten.